Iwan Turgenjew und Karl Marx: Echte und falsche Menschenliebe. Individuum oder Masse als Maßstab

von Theodore Dalrymple

„Nahezu jeder Intellektuelle gibt vor, dass ihm das Wohlergehen der Menschheit und ganz besonders das Wohlergehen der Armen am Herzen liege. Doch da es auch keinen Massenmord gibt, ohne dass seine Anstifter behaupten, etwas Gutes für die Menschheit zu leisten, kann sich eine philanthropische Gesinnung ganz offensichtlich auf recht mannigfaltige Art und Weise ausdrücken.

Zwei große europäische Schriftsteller des neunzehnten Jahrhunderts, Iwan Turgenjew und Karl Marx, veranschaulichen diese Vielfalt sehr deutlich. Beide wurden 1818 geboren und starben 1883, und ihre Lebenswege weisen auch in anderer Hinsicht fast unheimlich anmutende Parallelen auf. Und dennoch betrachteten sie das Leben der Menschen und deren Leiden auf sehr unterschiedliche, ja miteinander unvereinbare Weise, wie als ob sie durch entgegengesetzte Enden eines Fernrohrs blickten. Turgenjew sah die Menschen als Individuen, die stets mit einem Gewissen, mit Charakter, Gefühlen, moralischen Stärken und Schwächen ausgestattet sind. Marx indes sah sie stets als Schneeflocken in einer Lawine, als noch nicht ganz menschliche und völlig von der Umwelt konditionierte Bestandteile allgemeiner Wirkkräfte. Wo Turgenjew Menschen sah, gewahrte Marx Klassen von Menschen. Wo Turgenjew einzelne Leute sah, sah Marx das Volk. Diese beiden Weltsichten bestehen bis in unsere Zeit fort und üben wohl oder übel auch einen großen Einfluss auf die Lösungen aus, die wir für unsere gesellschaftlichen Probleme vorschlagen.

http://ef-magazin.de/2008/11/30/832-iwan-turgenjew-und-karl-marx-echte-und-falsche-menschenliebe

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PS. Einfach großartig, diese Kolumne! Zum lesen sehr empfelenswert.

LG.RML

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Über Russian Moscow Lady

So "kuschelig" bin ich nun auch wieder nicht ;) :) Wer aber meine russische Seele berührt, der wird einen treuen Freund gewinnen. Für immer.

Veröffentlicht am 6. November 2013 in Allgemein, Bevölkerung, Interessantes, Menschen, Politik, Russland und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Hallo! Danke für diese exzellenten Gedanken und Lese-Hinweis.
    Herzliche Grüße

  2. Schön von Ihnen zu hören. Es geht mir gut, bis auf diese Deutsche halbinformierte Heuchelei. Habe gerade ein sehr aufschlussreiches Buch gelesen, über die Vortage der Russischen Revolution: „Im Sibirischen Zuchthaus“ (oder: „From President to Prisoner“), von Ferdinand Ossendowski. (http://www.amazon.de/Sibirischen-Zuchthaus-hrsg-Wolf-Dewall/dp/B007J9GE7I). Ich konnte es nicht weglegen. Alles Gute

    • Vielen Dank, für den Tipp! Vielleicht besorge ich es mir auch irgendwo. 😉

      Aber Sie haben recht. Das Problem ist, dass viele Leute sich eher durch schön verpackte Märchen leiten lassen und diese dann, was noch schlimmer ist, finde ich, weiterverbreiten. Aber gut, jeder muss es selber wissen oder eben nicht wissen.

      Wo kein Wille ist, gibt es auch kein Weg – so kann man den bekannten Sprichwort auch verkehrtrum sagen.

      Ihnen auch alles Gute und nochmals vielen Dank.
      LG.

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