Archiv für den Tag 25. November 2013

Was das ukrainische Fass am Ende zum Überlaufen brachte.

Mykola Asarow, der ukrainische Ministerpräsident, hat gestern im Ersten russischen Fernsehkanal ein Exklusiv-Interview gegeben.

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Hier seine wichtigste Aussage (O-Ton), warum es zum Assoziierungsabkommen-Stopp mit der EU kam (vorerst):

Der letzte Tropfen, der, so zu sagen, überwog, als wir die Vor-und Nachteile vergliechen hatten, war der Brief des Internationalen Währungsfonds, der die Bereitstellung von Krediten in Ramen unserer Schulden nur mit einer Reihe von Bedingungen geknüpft sah, was für die Ukraine absolut unakzeptabel war: Anhebung der Nebenkosten für Wohnungs-und Kommunalwirtschaft (bis 40%, Anm. RML), Einfrierung der Löhne und Renten, Abschaffung von Agrarsubventionen und so weiter, und so weiter. Das heißt, auf diese Bedingungen konnten wir nicht eingehen.

U.a. mussten, Laut dem Bericht, auch die Investitionen in die Sozialsysteme „gedrosselt“ werden.

Insgesamt sollten es um die 40 Punkte gewesen sein,  habe ich verschiedenen russischen und ukrainischen Nachrichten entnommen. Aus Kommentarfunktionen zu verschiedenen russischen und ukrainischen Artikeln habe ich zudem entnehmen können (habe aber früher schon mal erwähnt), dass die Ukraine sich angeblich verpflichten sollte, die europäische „Zigeuner-Frage“ zu regeln.

Die weitere Bedinungen hat Štefan Füleder EU-Kommissar für Erweiterung und Europäische Nachbarschaftspolitik unter José Manuel Barroso, der Ukraine immer wieder „vorgetragen“, u.a. Wahlrechtsreform usw. usf. Das er nach der Absage der Ukraine a bisserl „geknickt“ aussah, konnte man ihm ganz genau ansehen. Aber statt bei sich selber Fehler zu suchen, machte der „la Kommissare“ (Gott, wenn ich das Wort nur höre, wird mir übel!) im Namen der EU erwartungsgemäss Russland an Allem schuld.

Das ganze versklavungsZeug lässt doch bei Einem sofort die Gensähaut erzeugen, oder geht es nur mir so? Dabei frage ich mich ernsthaft, was machen all die protestierende Menschen (keine Ahnung, wieviele davon „gekauft“ worden sind…) dort auf den Strassen? Haben sie etwa gar keine Ahnung, was abgeht?? Haben sie sich dafür überhaupt nicht ein einziges Mal interessiert?

Aber jetzt ist es schon wieder Alles anderes…     🙄

Heute verkündete zudem Asarow:

Wir haben die Russische Föderation beharrlich überzeugt, den Vertrag zu überprüfen. Jetzt haben wir im Grunde genommen ein Versprechen bekommen, und wir hoffen, dass dieses es im Laufe der Verhandlungen Realität wird“

 http://german.ruvr.ru/news/2013_11_25/Asarow-Russland-wird-rauberischen-Gas-Liefervertrag-uberprufen-7652/

Komisch nur, dass nirgendwo in den russischen Medien davon die Rede war. Darum auch die Reaktion darauf nicht überraschend gewesen.

Dass Julia Timoschenko von vorne an schon als Punkt Numero Eins bedingungmässig für das Unterschreiben des Assoziierungsabkommens galt, weiß inzwischen fast jeder Mesch. Den Protestierenden ist es egal, das die Frau es scheinbar viel wertvoller ist, als sie es alle zusammen je sein können.

Dann meldete sich heute ihre Tochter zu Wort und meinte:

„Ich denke, dass Deutschland die letzte Chance für meine Mutter ist. Kanzlerin Merkel darf nicht aufgeben. Wenn meine Mutter nicht bald frei kommt, wird sie sterben.“

 http://german.ruvr.ru/2013_11_25/Jewgenija-Timoschenko-Deutschland-soll-Ukraine-unter-Druck-setzen-8655/

Harte Worte. 

Und wie bestellt, kommt heute dann etwas später die Meldung, dass das Gefängnis, wo Timoschenko einsitzt, wegen der Quarantäne geschlossen wird… und Keiner darf rein.

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Es geht los! Theater, zweiter Akt. Man, man, man….

http://german.ruvr.ru/news/2013_11_25/Julia-Timoschenko-kundigt-Hungerstreik-an-3717/

LG.RML

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Die Eine gibt dem Präsidenten die Befehle aus dem Knast und der Anderer ist soeben nach gefühlten 100 Jahren plötzlich wieder aufgetaucht.

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Der Druck auf die ukrainische Regierung ist seit der Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens enorm gestiegen. Man spürt es regelrecht, auch wenn man selber damit eigentlich überhaupt Nichts zutun hat. Das Gefühl verschschärft sich jedes Mal ein Stückchen mehr, sobald sich – abgesehen von täglichen Desaster – die Befehle der ukrainischen Heldin und Martyrerin schlechthin in regelmäßigen Abständen durch die Luft wie eine Peitsche knallen.

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Und als ob es schon nicht genug wäre, meldet sich plötzlich noch Einer, der scheinbar unbedingt seine Spur in der Geschichte der Ukraine noch deutlicher hinterlassen will.

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„Die EU hat die Möglichkeit dem Kiew zu helfen den imperialistischen Albtraum zu entfliehen,“ schreibt der ehemalige ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko in einem Artikel in der Financial Times. 

Die Ukrainer haben sich deutlich zur Unterstützung der europäischen Integration bekundet. Ein Assoziierungsabkommen mit der EU ist nicht nur ein Schritt in die Richtung der europäischen Integration, sondern auch ein Mittel zur langfristigen geopolitischen Veränderungen, der Erweiterung der Demokratie in Europa und der Wiederherstellung der historischen Gerechtigkeit in der Ukraine als unabhängiger europäischer Staat, sagt Juschtschenko.

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Russland versucht ein Sowjetmodell durch die Projekte der Zollunion und des gemeinsamen Wirtschaftsraums wiederherzustellen, jedoch haben diese Strukturen nur einen Zweck die Souveränität an Russland zu übertragen um  die wettbewerbsfähige Produktion der Nachbarländer zu zerstören,“ ist sich der ehemaliger Staatschef überzeugt.

Laut Juschtschenko, hat die Ukraine aufgrund der zunehmenden Drucks aus Russland nicht die angemessene wirtschaftliche(!) Reaktion seitens der EU erfüllt bekommen.

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„Die EU sollte die wirtschaftliche Hilfe für die Ukraine leisten und Russlands Vorgehen als inakzeptabel verurteilen. Ein Beitritt der Ukraine zur Zollunion wird das schlimmste Szenario sein für den ukrainischen Staat, seine Menschen und die EU, als Raum der Demokratie und Stabilität,“ sagte der Ex-Präsident der Ukraine.

Das ist ziemlich heftig, wenn schon nicht komplett bezahltparanoid, sage ich da nur. Noch gestern habe ich einem bekannten Journalisten zurückgeschrieben, dass es um die „wirtschaftliche Reaktion“ gebuhlt wird (na, Ihr wißt schon, was genau er damit meinte).

Ich wäre jedenfalls sehr froh sein, wenn er für die nächsten gefühlten Hundert Jahre wieder dorthin verschwinden würde, wo er sich bis zum Dato mausestill erfolgreich versteckt hatte. Keiner hat ihn, den Superorator, vermisst, nicht mal die Ukrainer selber, so wie ich es aus den Kommentaren zu der Originalnachricht entnommen habe.

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Live-Webcam vom Majdan Platz, Kiew (wenn nur eine Fackel zu sehen ist, dann ist es gerade Pause):

http://news.guru.ua/news/346165/Onlajn_transljacija_s_Evromajdana_v_Kieve.html

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Was für eine bekloppte Welt!

LG.RML

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Montagsdoku: Brüssel Business. Wer steuert die Europäische Union?

Ein Dokumentarfilm von Friedrich Moser und Matthieu Lietaert über den Mangel an Transparenz und den Einfluss von Lobbyisten auf den Entscheidungsfindungsprozess in Brüssel, der Hauptstadt der Europäischen Union.

Verlinkt von: http://www.youtube.com

LG.RML

Seelenmassage: Polina Gagarina – „Колыбельная“ (z.Dt. „Schlaflied“)

kinopoisk.ru

Polina singt ein wunderschönes Lied, eine Art Ballade an ein noch ungeborenes Kind mit der Hoffnung, dass es am Ende alles gut wird. Hoffe, es wird Euch gefallen    🙂    Ich wünsche viel Spass beim Zuhören!

Verlinkt von: http://www.youtube.com

LG. und einen guten Start in die neue Woche! RML

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