Archiv für den Tag 17. Dezember 2013

Achtung! Achtung! Die Russen kommen!

Ich wollte mich ursprünglich erst gar nicht mit diesem Thema beschäftigen und konnte getrost darauf verzichten. Das ist es ja: Man hat keinem, der hinter deinen Rücken steht und aufpasst und dir vorgibt, was du tun oder lassen sollst. Also, schreibe ich darüber, worauf ich gerade Lust habe, was mich bewegt und worüber ich mir Gedanken mache.

Es gibt aber Situationen im Leben, die dich aber doch dazu zwingen, so, als ob du tatsächlich einen strengen Vorgesetzten, auch wenn in diesem Fall einen unsichtbaren, hinter deinen Rücken stehen hast und der dir die Richtung vorgibt.

In Wirklichkeit war es gestern eine meiner Patientinen, die mich dazu bewogen hat diesen Artikel zu schreiben. Jedes Mal, wenn ich bei ihr bin, erzählt sie mir, wie auch andere Patienten, über ihre Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg, da sie genau weiß, dass ich mich dafür sehr interessiere und geduldig zuhöre und deshalb viele Fragen stelle.

Sie, genauso wie viele anderen, ist immer sehr dankbar dafür, dass man eine Atmosphäre des vollen Vertrauens geschaffen hat, wo man miteinander über damalige grausame Zeiten ohne Vorwürfe sprechen kann und wo man merkt, wie eine große kaum verarbeitete Last von den Schultern der alten Menschen wie ein riesiger Berg Stück für Stück und immer mehr herabfällt. 

Gestern fragte ich die alte Dame, wie sie die Bombenangriffe unserer Stadt Münster durch die Alliierten überleben konnte ( Münster wurde deshalb zu großen Teilen zerstört, weil viele NS-Verwaltungseinheiten, u.a. „Westfalen Nord“, und Truppenkasernen beherbergte; Anm. RML) und wo sie und ihre Geschwister sich wärend der Bombardierung verstecken mußten. Sie sagte, sie konnten sich doch gar nicht verstecken, mussten im Haus bleiben, da ihre Mutter Krebs hatte und bettlägerig war. Sie mussten die Mutter pflegen und dabei immer und immer wieder zum Gott beten, dass es sie nicht erwischt, denn „es war einfach nur fürchterlich und viel zu übertrieben„.

Ihr Vater war nicht da, um sie, die Kinder, trösten und unterstützen zu können, da er nach Russland zum Kämpfen hingeschickt wurdetrotz seiner starken Rückenverletzung vor dem Krieg und zwei eingepflanzten Stahlplatten„, die man ihm, wie sie sagte, „vorhin nicht entfernt hatte“ (habe die alte Frau noch nicht näher dazu befragt, was ich beim nächsten Mal aber vorhabe unbedingt zu tun). Umso entsetzter war der Vater, als er aus Russland zurückkehrte, wo er in Gefangenschaft geriet und wo ihm die ganze Unsinnigkeit des Krieges erst bewusst wurde, denn „die deutsche und russische Soldaten verstanden sich untereinander doch sehr gut, die Russen haben sogar ihre letzte Papiroska (z.Dt. die selbstgedrehte Zigarette; Anm. RML) immer mit den Gefangenen geteilt.

So, wie sie da „Papiroska“ einwandfrei aussprach, erklährte die alte Dame damit, dass ihr Vater nach dem Krieg  sehr oft davon gesprochen hat, „dann hat man das für den Rest des Lebens drauf„, sagte sie und lächelte. Ich habe ihr das auch bestätigt und gesagt, dass mein Opa mutterlicherseits, als er noch lebte (der andere, vaterlicherseits, ist im Krieg gefallen), stets das Gleiche erzählte, dass sich die einfachen russischen und die deutschen Soldaten untereinander ganz gut verstanden haben. Die alte Frau nickte dabei energisch mit dem Kopf und wiederholte immer wieder „siehste, hab ich dir doch gerade erzählt, Swetlana.“

Dann aber kam er, der Knaller, und ihr Gesicht wurde auf einmal sehr ernst. Sie fragte mich, warum nun Russland jetzt vorhat Europa anzugreifen. Sie wirkte besorgt und ich – nur noch entsätzt, da ich sofort verstanden habe, von wo der Wind weht.

Diese „Sensation“ ist mir am Wochenende natürlich auch nicht entgangen, zumal es auch im russischen Fernsehen und anderen Medien das Gesprächsthema war. Dazu sagte, z.B., angehender Kandidat der  Geschichtswissenschaften aus Kaliningrad, Germanist Wladimir Bespalow:

Die Neuheit der deutschen ZeitschriftBildüber die Unterbringung der Raketenkomplexe „Iskander“ mit den nuklearen Sprengköpfen in Gebiet Kaliningrad ist für die breiten Schichten der Bevölkerung in Deutschland im Hinblick auf den psychologischen Druck der Deutschen gedacht.

Diese schreckliche Geschichte ist ein Glied in der allgemeinen Kette der letzten Ereignissen in Europa, wo die Rolle Russlands vom negativen Standpunkt bewertet wird. Zunächst war der Gipfel „Die Östliche Partnerschaft“ in Vilnius, dann die Opposition in der Ukraine. Man erschafft die allgemeine Hysterie – Russland greift an, Russland bedrängt.

Nach Meinung von Bespalow, „bläst der Wind kaum aus dem Deutschen Außenministerium. DieBildmit ihren starken proamerikanischen Stimmungen veröffentlicht ziemlich oft Informationen, die nicht mit dem Amt für Auswärtige Angelegenheiten Deutschlands vereinbart sind, um die Reaktion anzuschauen„,  so der Germanist.

Im Russischen Verteidigungsministerium trifft der Mainstream-Artikel ebenso auf ein Unverständnis, denn „dieIskanderRaketenkomplexe sind schon über einen Jahr im Kaliningrader Gebiet stationiert.“ Man fragt sich dort deshalb, „warum die Deutschen ausgerechnet jetzt diese Panik erzeugen.“

Selbstverständlich haben sofort Polen, Litauen und Estland deswegen ihre Beunruhigung geäußert, für die ist beinahe jedes Mittel gerade recht, so hat man letzte Zeit den Eindruck, um auf sich aufmerksam zu machen, abgesehen davon, dass sie keiner braucht und schon gar nicht zuerst anzugreifen.

Die neue Modernisierung in Kaliningrad bei der Grenze mit den Ländern Baltikums und NATO ruft zusätzliche Unruhe und Aufmerksamkeit herbei. Deshalb werden wir die Situation beobachten,“ hat vor Kurzem der Verteidigungsminister Litauens Juosas Olekas den Journalisten gesagt.

Es wird aber langsam höchste Zeit, dass man anfängt sich lieber an die eigene Nase zu fassen, was allerdings bei NATO & Co., wie der alter Hut jetzt neu heisst, aufgrund der Größenwahnsinnigkeit gemischt mit „auserwählten“ Dasein und Handeln ein großes Problem sein durfte.

Dass sie und auch die Medien damit wie üblich das Millionen von Menschenleben aufs Spiel setzten, ist ihnen völlig Schnuppe. Denn man handelt(e) stets nach dem Motto: Nach mir die Sintflut – ich hab eventuell einen Bunker.

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Nachtrag.

Natürlich dauerte es nicht lange, bis man auch die besorgten Stimmen vom Übersee wahrgenommen hat, alles andere wäre ja sonst unlogisch.

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Wir haben unsere Beunruhigung der russischen Regierung zu Kenntnis gebracht und haben Russland aufgerufen, keine Schritte zu unternehmen, die zur Destabilisierung der Situation in der Region bringen können,“ hat die  offizielle Vertreterin des Staatsdepartaments Marie Harf erklärt, die Informationen über die Unterbringung der Raketenkomplexe „Iskander“ im Kaliningrader Gebiet erläuternd. Dabei hat Frau Harf ergänzt, dass es ihr über die beunruhigte Reaktion der benachbarten Staaten auf diesen Schritt der Führung Russlands bekannt ist.

Ja, und jetzt? Erwartet die Weltpolizei etwa eine Zitterpartie seitens Russland?

Inzwischen sind die Amerikaner selber nicht beabsichtigt, auf die Pläne der Entfaltung der eigenen Raketensystems in Europa zu verzichten. Es hat eine Videokonferenz zwischen dem Verteidigungsminister Russlands Sergej Schojgu und dem Chef des Pentagons Chuck Hagel stattgefunden. Im amerikanischen Militäramt hat man erklärt, dass „die Bemühungen der USA und NATO nach der Raketenverteidigung keine Drohung für Russland sind.

Scheinbar hält man alle für komplette Idioten.

Noch dazu:  http://german.ruvr.ru/radio_broadcast/4004944/255952970/

PS. Ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch verhandelt gerade in Moskau mit Putin. Je nachdem, wie es ausgehen wird, ist eine neue Empörungswelle nicht weit entfernt.

Danke an Leser Franco für den Tipphttp://antikrieg.com/aktuell/2013_12_05_geschlagen.htm

LG. RML

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