Archiv für den Tag 19. Dezember 2013

Die unbeachtete Opfer des „Euromajdans“

Meine Übersetzung eines Artikels vom 17.12.2013 der öffentlichen Projektorganisation „Ukrainische Auswahl„, Autor Alexander Gorochow

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Der „Euromajdan“ zieht nach wie vor alle Blicke auf sich. Die Analytiker rechnen nach, ob die Regierung der Forderung der Demonstranten und in welchem Maß berücksichtigen wird, die Massenmedien kosten die Namen der ausländischen Kuratoren des Staatssturzes, die mit ihrer Anwesenheit den Platz der Unabhängigkeit (Majdan; Anm. RML) „markiert“ haben. Wogegen weniger Aufmerksamkeit der Frage zugeteilt wird, wie die Massenaktionen das Leben der gewöhnlichen Kiewer, die sich als Geisel der Ambitionen der Drei-Kopf-Gespanns der Opposition (Klitschko, Jazenjuk, Tjagnibok; Anm. RML) sowohl der geopolitischen Interessen der EU als auch der USA, beeinflusst haben.

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Das Leben in der okkupierten Hauptstadt wird nicht nur unkomfortabel, sondern auch gefährlich. Die Rede ist nicht über die abgeriegelten Gebäude, in die Barrikaden eingebauten Kiosken, verdreckten Eingängeherausgehauten Maronen, geklauten Sitzbänken, fortgetragenen und entstellten Denkmäler, ausgeraubten Geschäften und  geschlossenen Restaurants auf dem Kreschtschatik (zum Majdan naheliegender Ortsplatz; Anm. RML) – obwohl das alles einen bemerkenswerten Schaden der Wirtschaft für die Hauptstadt bringt. Es tut weh, ist unangenehm und demütigend, man kann es aber überleben, wenn man selber am Leben bleibt und seine Gesundheit bewahrt.

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Und genau damit wurde es ab dem Datum des Massenprotestanfanges kompliziert. Wärend „die objektiven“ Journalisten die Krokodilstränen über die verprügelten dreißig-virzigjährigen „Kinder“ vergießen und „die Verschollenen“ suchen, die in die provinziellen „Euromajdans“ auseinanderzogen, sind es nach Angaben von Ärzten im Zentrum von Kiew nur deshalb mehr als zwanzig Menschen gestorben, weil die Krankenwagen wegen der abgesperrten Straßen nicht durchfahren konnten. Eine der Mütter hat in der Verzweiflung durch die Sozialnetzwerke die Teilnehmer desEuromajdansangefleht den Krankenwagen zu ihrer kranken Tochter durchzulassen. (habe darüber berichtet, Eintrag um 14:37 Uhr; RML). Das sind die gegenwärtigen und nicht die Requisitenopfer des Majdans, die alle versuchen nicht zu bemerken.

Es ist gefährlich geworden in der Stadt im Auto und im öffentlichen Verkehr zu fahren, da sich die Angriffe „der Demonstranten“ auf die Kiewer beschleunigt haben. Bis „die unvoreingenommenen“ Massenmedien das Problem bemerkt haben, sind shon einige Fälle der Gewalt in Bezug auf die Ortsbewohner geschehen, die man nur in sozialen Netzen besprochen hatte.

Als Erste hat die Aktivistin der Bewegung  „Kiew rettenTatjana Woronowa den Alarm geschlagen, deren Mann in der Straßenbahn № 33 die Teilnehmer desEuromajdanswegen der von ihm auf Russisch gestellten Frage verprügelt haben. Hinterher hat die bekannte Bloggerin Miroslawa Berdnik über den Angriff  der 5–6 junger „Eurointegratoren“ auf einen Kiewer berichtet – eines Oberstleutnants der Reserve Namens Andrej. Er hat sich gewagt, seine Unzufriedenheit gegenüber demEuromajdanauszusprechen. Berdnik hat auch die Erzählung eines der Kiewer veröffentlicht: „Der Fall in Metro. Drei „свободовцев“ (lese: swobodowzew; Anhänger der ultra-nationalistischen Partei „Swoboda“ von Oleg Tjagnibok; Anm. RML) im Waggon in einer identischen Kleidung und mit den großen Tüten fuhren aus dem Zentrum richtung „Darniza„. Einer von ihnen nörgelte ein Pärchen mit der Frage: „Sind sie mit uns? Nach Euro?“ (Euro ist hier gekürzt für Europa; Anm. RML). Der Bursche hat geantwortet: „Wir wollen in unserer Ukraine leben„. Einer von ihnen hat den Burschen an die Tür mit dem Ellbogen unter den Kiefer gedrückt und hat gesagt:Ihr geht alle nach Euro, wie wir es sagen!“ und dann noch etwas. Ein Mann von der Seite her steht auf und sagt: „Lass das Kind in Ruhe! Ich rufe die Miliz herbei.“ Drückt den Knopf und sagt: „Die swobodowski – Nazis verprügeln die Kinder im zentralen Wagen, schicken Sie den Streifendienst.“ An der Station „Darniza“ öffnen sich die Türen, und sie laufen zu dritt auf den Bahnsteig hinaus.“

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Auch die Kiewerin Aljona hat abgekriegt, deren Wagen „die Demonstranten“ beim Lehrer – Haus in der Wladimirski Strasse angegriffen haben. Ihre Schuld bestand darin, dass sie den Demonstranten, die die Strasse blockiert hatten, gehupt hatte und „in den nächsten Sekunde hat jemand auf das Frontglas geschlagen. Kaum habe ich begriffen, was geschehen ist, fing man in meinem Auto … die Glasfenster zu zerschlagen. Den Wagen haben irgendwelche Bürschchen umgeben und fingen an mit den Händen auf die Fenster rasend einzuschlagen. Die anderen haben den Weg versperrt und warfen sich direkt auf das Frontglas. Du Närrin, wohin fährst du?! — schrien sie. — Denkst du, dass wenn du eine teuere Karre gekauft hast, kannst du jetzt herumfahren, wo es dir gefällt?“ „Die Hauptstadtgäste“ schimpften, sprangen auf der Motorhaube, schaukelten und kratzten das Auto. Diese hat sogar die Anwesenheit des Kindes nicht angehalten, das Aljona vom Verein fuhr. Das glaubt man gerne, da vor zwei Wochen, gleich am Anfang des „Euromajdanes„, auch wir uns mit Freunden in einer ähnlichen Situation befanden. Damals ist es nur mit den Händeklatschen gegen die Fensterscheiben ausgegangen, da sich die „europäische“ Burschen noch nicht als Wirte des Stadtes fühlten.

Aljona ist es zum Glück gelungen die Info – Blockade durchzubrechen. Über die Verprügelung des Journalisten und Fernsehmoderators einer Kundgebung der PR (Partei der Regionen; deren Anhänger treten gegen „Euromajdan“ auf; Anm. RML) Jurij Kot hat man wegen seiner Berühmtheit geschrieben. Wie auch über die Familien der Offiziere des „Berkuts“ (staatliche Spezialeinheit, „Steinadler“; Anm. RML), denen man öffentlich mit dem Mord drohte.

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Aber das Problem besteht nicht nur im Verschweigen der kleinen Tragödien der Ortsbewohner, die im Hintergrund der politischen Schlachten niemanden interessieren. „Euromajdan“ hat sich in eine Brutstätte der Kriminalität, der Infektionen und das Obdach für die ehemaligen Häftlinge, der Vertreter der radikalen Neonazigruppierungen, der Obdachlosen und der übrigen Abfall verwandelt. Das von den Barrikaden eingezäunte Territorium wird von der Miliz nicht kontrolliert und ist somit eine ideale Stelle der Deckung für die Rechtsverletzer geworden.

Die Position der Behörden, die sich von der Ordnung in der Hauptstadt und der Versorgung der Garantien für die Sicherheit der Bürger selbst entfernt haben, bringt dazu, dass niemand von uns gegen den Eingriff auf das Leben, die Gesundheit und das Eigentum versichert ist. Auf dem Krieg wie auf dem Krieg, obwohl diese, wie man behauptet, nicht existiert. Es gibt „friedliche Aktionen“.

Friedliche?

LG.RML

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